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Pankeradweg

16 km Distance
35 m Ascent
17 m Descent

(255 ratings)

Der Panke-Radweg

Einst „Stinkepanke“, jetzt „Grünes Band“ durch Berlin

Im 19. Jahrhundert war die Berliner Panke ein Flüsschen  der kleinen Leute. Ihre Ufer waren vor allem im Bezirk Wedding von Handwerkern, Müllern und Gerbern bewohnt. Allein dort siedelten an der Panke acht Mühlen und 23 Gerbereien. Zum Verarbeiten des Leders wurden täglich 500 Eimer Hundekot verwendet. Kein Wunder, dass die ca. 30 Kilometer lange Panke, die in den Wiesen bei Bernau (nördlich von Berlin) entspringt und in Berlin-Mitte in den Schifffahrtskanal  mündet, im Volksmund Stinke-Panke hieß.

Heute ist von der Stinkepanke nicht viel zu spüren, ganz im Gegenteil. Der Rad- und Wanderweg, der Berlin mit Bernau verbindet ist in einem „grünen Band“ eingebettet. Eine Rad- oder Wanderkarte der Region von Vorteil, gibt es doch immer wieder Ungereimtheiten auf der Strecke.

Der Weg verläuft fast immer am Ufer, ab dem Schlosspark Niederschönhausen gesellt sich der Radfernweg Berlin-Usedom hinzu, der jetzt auch ausgeschildert ist.

Wir beginnen unsere ca. 16 Kilometer lange Tour am S-Bahnhof Wedding und fahren über den Nettelbeckplatz zur Gerichtsstraße.  Dort biegen wir in den Panke-Radweg ein und setzen unsere Fahrt durch ein ehemaliges Gewerbegebiet Richtung Norden fort.

Wir überqueren die Pankstraße und befinden uns im ehemals „Roten Wedding“.  Dieses Gebiet war eine kommunistische Hochburg, in dem 1929 Straßenschlachten tobten. Ein Findlings-Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke erinnert heute noch daran. Über die Uferstraße radeln wir  weiter an der Panke entlang. Ein paar Meter und wir stehen vor der  Uferstraße 8. Der Piano Salon Christophori ist zum einen eine Werkstatt, in der Flügel, vor allem historische Hammerflügel, vorsichtig restauriert werden, zum anderen ein Ort, an dem die Instrumente auch bespielt  werden. Im Abstand von 2-3 Wochen werden in der  wenig förmlichen Werkstattatmosphäre bei gutem Wein Kammermusikabende veranstaltet.

Wir überqueren die Badstraße, halten uns rechts, um dann nach wenigen Metern neben der Panke in die Grünanlage einzutauchen. Nun sind wir auf der Travemünder Straße. Das Eckhaus Badstr.39/Travemünder Str. (Luisenhaus) wurde im 18. Jahrhundert gebaut, nachdem festgestellt wurde, dass eine eisenhaltige Quelle, die dort entsprang, als Heilquelle vermarktet werden konnte. Mit königlicher Förderung entstand ein Kurbetrieb mit bis zu 1000 Wannenbädern am Tag. Lange hat der „Friedrichs-Gesundbrunnen“ allerdings nicht bestanden, und auch der Wiederbelebung als "Luisenbad" ab dem 19. Jahrhundert war kein lang anhaltender Erfolg beschieden.

Nach der Osloer Straße wechseln wir auf die linke Pankeseite, um an der  Gotenburger Straße wieder das rechte Ufer zu nehmen.  In Höhe Gottschalkstraße müssen wir mehrmals die Seite wechseln, folgen aber der Ausschilderung „Pankeweg“.

Die Panke hat dem Bezirk Pankow den Namen gegeben und die beiden wichtigsten Parks werden von der Panke durchflossen. Im Sommer, wenn  im Bürgerpark die Rosen blühen, lohnt ein Halt, um in Ruhe zu genießen und eine Pause einzulegen.  Bevor wir in den zweiten Park mit dem Schloss Schönhausen einfahren,  folgen wir der eleganten Parkstraße.  In der Hausnummer 5 lebte Paul Nipkow, der die "Nipkowsche Scheibe" erfand. Er zerlegte Bilder in einzelne Punkte, um diese ähnlich wie Töne beim Telefon, übertragen zu können. Es war die grundlegende Erfindung für das spätere Fernsehen.

Im Park sollte man sich die Schlossanlage unbedingt anschauen, denn das Schloss Schönhausen hat eine interessante Geschichte, auf die man hier nicht näher eingehen kann. Nur so viel: Nach der Wende tagte hier der „Runde Tisch“, danach fiel das Schloss in einen Dornröschenschlaf. Erst 2005 wurde es von der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten übernommen und als Museumsschloss restauriert.

Bei den Karpfenteichen in Höhe der  Pasewalker Straße ist die Stadtgrenze von Berlin erreicht.  Unüberhörbar ist die A 114, der wir nun ein ganzes Stück folgen. Wir kommen  an einer Kleingartenkolonie vorbei und nehmen die zweite Fußgängerbrücke über die Autobahn, um weiter auf dem Pankeweg  zu radeln. Die Auffahrt auf die Brücke ist irritierend, also unbedingt auf die rot-weißen Hinweisschilder achten. Direkt hinter der Brücke gehen zwei Wege ab, die beide genutzt werden können. Wir entscheiden uns für den linken Weg mit dem Hinweis nach Buch.

Wir erreichen die Karower Teiche, die einst für den  Torfabbau und Fischzucht ausgehobenen wurden und heute ein großes Naturschutzgebiet sind. Auf den Aussichtsplattformen lassen sich  zahlreiche Vogelarten beobachten.

Auf den letzten Kilometern verlieren wir die Panke ein wenig aus den Augen, weil die S-Bahn-Strecke dazwischen liegt.  Dafür haben wir aber unser Ziel erreicht (der Pankeradweg geht noch über Bernau hinaus) und nutzen die Bahn am Bahnhof Buch zur Rückkehr nach Berlin. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt


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